„… weder freien, noch sich freien lassen“ – Antoinette de Bourignon, Jane Leade, Ann Lee und die Shaker

Geblieben sind vor allem die Möbel: schlichte trestle table oder worktable, mit den in Gussgabeln geführten Rollen, der salem rocker, Archetyp aller Schaukelstühle, gediegene Bettgestelle, die an der Wand entlanglaufende hölzerne Hakenleiste mit den wood pegs, dazu die praktischen oval boxes, Spanholzschachteln in allen Größen – alles  minimalistisch, asketisch karg, functional, unadorned and beautiful, fast wie eine Vorwegnahme des Bauhausstils, aber nicht so prosaisch, nicht ohne göttliche Poesie. Sie alle tragen das Gütesiegel: Shaker-made.

Aber das sind Möbel und das ist Form. Der Geist, der das Mobiliar einst beseelte und der spröden Form spirituellen Sinn gab, ist nicht mehr.  Er hat sich aus dieser Welt, die ihn nie mochte und die ihm nie gefiel, davon geschlichen. Tische, Stühle, Betten wurden gegen ihre einstige Bestimmung zu teuren Trend- und Luxusobjekten und stehen in den Schaufenstern exklusiver Möbelgeschäfte wie verwaist oder wie Propheten, deren Sprache niemand mehr versteht. Auf den Tischen stehen Delikatessen, für die sie nie entworfen wurden,  auf den Stühlen erholen sich Präsidenten zwischen ihren Kriegen, und in den Betten …

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Die Hymnen der Mägdlein

Veröffentlicht in: Achse des Guten

Die Zeitläufte sind rauer geworden und für Belletristik bleibt daher kaum noch Muße. Und schon gar nicht für so altmodisches Zeug wie Homer oder Vergil. Sollte man meinen. Und doch habe ich am letzten Wochenende an die beiden gedacht. Das war, als ich die Bilder vom Empfang der Flüchtlinge auf dem Frankfurter Hauptbahnhof sah. Auf einem dieser Fotos standen freundlich lächelnde, junge Mädchen mit einem selbstgefertigten Transparent in ihren Händen. Unmöglich, sich dem Charme der Drei zu entziehen. „Refugees Welcome“ war auf dem Plakat zu lesen. Liebevoll und in Eigenarbeit, vermutlich noch ganz eilig und spontan vor der Ankunft des Zuges in Frankfurt von den Freundinnen angefertigt. Alles mit buntem Filzer, links eine knallgelbe Sonne, zwei Herzen, ein blutrotes und ein himmelblaues, ein Smiley und dazwischen bunte Blümchen, so wie man das eben in dem Alter macht, wenn man Sympathie bekunden will. Es fehlte nur noch ein wenig Glitzer.

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Deutsches Renommiergehabe – ein Déjà-vu

Veröffentlicht in: Achse des Guten

Schweren Herzens folge ich einer Mode, die mich bisher immer abgestoßen hat: Ich will mich entschuldigen, ein wenig fremdschämen für meine Landsleute. Beschämt hat mich ein BILDungserlebnis gestern am Kiosk: „Die Drückeberger Europas“ las ich, und weiter: „Sie nehmen weniger auf als sie könnten. Während Deutschland dieses Jahr mit 800 000 bis eine Million Flüchtlingen weltgrößtes Einwanderungsland wird (vor USA), wehren sich viele EU-Staaten gegen die Aufnahme neuer Flüchtlinge.“ Dazu gab es hübsche, große Porträts von Cameron, Hollande, Renzi und anderen. Die waren aber anders gemeint.  Das Anprangern ist ja in Deutschland neuerdings wieder sehr in Mode gekommen.

Ich kann und mag nicht entscheiden, ob die besagten Länder mehr Asylanten aufnehmen könnten oder nicht.

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